Freitag, 9. Februar 2018

Ausgelesen: Fa(t)shionista von Magda Albrecht

Man könnte es so sehen: Dafür, dass sie uns beim Ullstein Verlag unlängst das antifeministsche, gegen Fettakzeptanz wetternde Werk "Fettlogik" beschert haben, schulden die uns jetzt auch etwas. Magda Albrecht ist Feministin und Fettaktivistin und ihr Buch über Fettakzeptanz ist, weil von einer deutschsprachigen Autorin, eine absolute Rarität. Es ist ein ok Buch. Für Einsteigerinnen als freundlicher Denkanstoß und lockere Einführung in die Thematik auf jeden Fall zu empfehlen. Für alle anderen, (aber wo gibt es die hierzulande ohnehin schon groß), steht vermutlich eher nicht viel Neues drin.

Es gibt einen Abriss der persönlichen dicken Biographie, Hinweise zu Diäten und Vorurteilen, was die Gesundheit von Dicken betrifft, eine ausführliche Schilderung der Entstehung des BMI, Betrachtungen über die mediale Darstellung von Dicken, die Diskriminierung im öffentlichen Leben sowie die Hindernisse im öffentlichen Raum (z.B. beim Fliegen). Magda Albrecht thematisiert Adipositaschirurgie, intuitives Essen, Schönheitsnormen und liefert eine kurze Geschichte der Fettakzeptanzbewegung. Sie beschreibt ihren Weg zu mehr Selbstliebe und dickem Selbstbewusstsein (mit Rückschlägen) und betont, dass dicke Selbstakzeptanz in einer Welt, in der Dicksein so negativ besetzt ist, ein ausgesprochen schwieriges Unterfangen ist.

Und dann sind da das Recht der Dicken auf Mode und die Rolle von Fatshion in der Bewegung, die, wie der Titel auch vermuten lässt, viel Raum einnehmen. Die Autorin deckt im Plauderton und mit Humor alles Grundlegende irgendwie ab, was zur Basisausstattung gehört (bis hin zur Venus von Willendorf und Rubens), und kann so bestimmt Aha-Erlebnisse liefern und so mancher Mut machen.

Nur mir halt nicht. 

Denn ich bin freudlos und streng, wenn es um meine Diskriminierung geht. Ich spürte schon ein leises Verzagen beim Lesen des schmissigen Untertitels ("Rund und glücklich durchs Leben"), und als ich entdeckte, dass sie der Autorin für das Coverfoto allen Ernstes einen Schokoriegel auf das Notebook gelegt hatten, schnappte ich natürlich bereits nach Luft.

Ich verstehe, dass für den Verkauf eines Produktes Kompromisse gemacht werden müssen. Aber in ähnlicher Fluffigkeit geht es zwischen den Buchdeckeln dann tatsächlich auch weitgehend weiter. Magda Albrecht schreibt in weiten Teilen ihres Buches als lustige, putzige Dicke gegen das Klischee der lustigen Dicken an. Dass sich das beißt, liegt auf der Hand. Nicht einmal bei der abschließenden Formulierung ihrer "Wünsche und Forderungen" entwickelt sie besonders viel Feuer oder auch nur durchgängig größere Genauigkeit. Sie "möchte" etwas mehr davon, etwas weniger hiervon und offenbar auch "selbstorganisierte Kleidertauschpartys, Flohmärkte und Nähklubs", sowie "Frauenzeitschriften, die Frauen in ihrer Vielfalt stärken". (S. 308)

Im Kapitel über dicken Sex wird (gefühlt) hauptsächlich gekichert und sich zugeprostet. Die tatsächliche Erörterung des Themas erschien mir mithin unangebracht zurückhaltend. Dafür ist das Kapitel darüber, wie frau ihre wahre BH-Größe ermittelt und vermutlich ein viel größeres Körbchen braucht als gedacht, eines der längsten im Buch (13,5 Seiten und damit genauso lang wie das über die Geschichte der Fettakzeptanz-Bewegung). Für die zwischendrin ausgetragenen "Outfitdramen" bin ich definitiv zu alt. Eine genauere Betrachtung der Verbindung zwischen Fettakzeptanz und Feminismus muss ich irgendwie überlesen haben.

Was ich andererseits schlicht nicht ignorieren konnte, waren die vielen - scheinbar augenzwinkernden (?) Hinweise darauf, wie schrecklich gern die Autorin isst. ("Ich war ein hungriges Mädchen...", "...ich liebe Essen!", "Ich gestehe...", "Der Löffel in der Hand und ich - wir sind ein echtes Dreamteam!", "...ausgestattet mit Snacks zur Beruhigung der Nerven...", "...ich stolz den Laufsteg des Lebens begehe, und sei es nur zur nächsten Bäckerei...", "Da lohnt es sich (...) ihn (Anmerkung: den Körper) ab und zu zum Eis einzuladen. Mit Streuseln. Und Sahne.") Mit der zuletzt aufgeführten Bemerkung endet übrigens auch das Buch. Sich im Dienste der Fettakzeptanz als fröhliche Dicke zu präsentieren, die außerdem angeblich immerzu unbekümmert Nahrung zu sich nimmt, führt zwangsläufig auf dünnes Eis. Das Bild der fortwährend essenden Dicken hat sogar eine zweischneidige Klinge - entweder bedient sie das Klischee der übermäßig lustvoll-instinktiven, (oftmals leicht unzivilisierten) Lebensfreude oder das von dicker Disziplinlosigkeit und Unwissenheit. Beides ist nicht wirklich schön. Denn wie vielen Märchen über Dicke möchte man als Fettaktivistin denn noch auf einen Schlag Gültigkeit zuschustern?

Und dann ist da diese merkwürdige und gehäufte Verwendung von im Grunde milde herabsetzenden bzw. tadelnden Beschreibungen von dicken Körpern sowie dem Vorgang des Essens selbst.  ("wegmampfen", "schob mir den Riegel komplett in die Backen", "meine (...) Spitzendisziplin Löffelstemmen", "Schwabbel", "Speckrollen", "Schwergewichte", "speckig", "Dickerchen", "wegschmatzen", "Schleckermaul", "stattliche 90 Kilo", "...das fette Schlemmen..., "...der Schrecken jedes Kuchentischs...", "Moppeln", "Moppelchen", "ausladend", "Wampe", "spachteln", etc.) War das nun auch augenzwinkernd gedacht? Und wenn ja, warum all das überhaupt? Ist das nicht genau das, was "gute Dicke" tun? Hat sich all das nur unbewusst eingeschlichen? Oder sollen all diese Begriffe quasi im Laufen spontan positiv umdefiniert werden? Das wird dann aber ganz schön anstrengend.

Auch hier bleibt...na sagen wir mal...ein wenig erschrockene Verwunderung.


NH





Mittwoch, 31. Januar 2018

Fettakzeptanz im Sat.1 Frühstücksfernsehen

Der zuständige Redakteur, der mit mir letzte Woche einen Beitrag über Fettakzeptanz für das SAT.1 Frühstücksfernsehen gedreht hat, hat mir gesagt, dass er vermutlich morgen früh (Donnerstag) gesendet wird. Irgendwann zwischen 5:30 und 10:00...Ich beginne lieber jetzt schon einmal mit den Kaffeeinfusionen. Wie vormals habe ich nämlich das letztendliche Ergebnis auch noch nicht gesehen - und hoffe mal wieder das Beste für die Sache und meinen eigenen Selbstwert. Bin aber sehr zuversichtlich. : )

UPDATE:
Das war falscher offenkundig falscher Alarm. Dafür soll es nun morgen soweit sein. Noch eine Nacht, die um 5:30 Uhr endet...

UND NUN NOCH EIN NACHTRAG: Morgen, Dienstag, 6.2.18, soll der Beitrag nun endlich laufen. 

NH

Sonntag, 10. Dezember 2017

Follow me around 57: 46

Weihnachtskasimir 2007

Mütterlicher Weihnachtsbaum 2007

1. Weihnachtsfeiertag 2007

Beim digitalen Sortieren habe ich die vorangehenden Fotos gefunden. Es sind Bilder von 2007. Das war das vorletzte Weihnachtsfest mit meiner Mutter. Und Kasimir ist 2011 gestorben. Meine Güte, ein ganzes Jahrzehnt ist das nun schon wieder her - wie die Zeit vergeht. (Und wie viel besser die Digitalfotografie seither geworden ist! ; ))

Der Fragebogen 2017


Ich fülle ihn auch seit fast 10 Jahren aus - seit 2011, um ganz genau zu sein. Und nun ist schon wieder ein Jahr rum, und ich werde morgen 46 Jahre alt. Ich "gehe auf die Fünfzig zu". Regelmäßige Leserinnen wissen, dass ich Geburtstage nicht leiden kann. Seit ich ein Teenager bin, sind sie für mich Abrechnungstage, bei denen das Ergebnis aus meiner strengen Perspektive niemals stimmt.  Die eigenen Erwartungen an das Leben und die innerhalb eines Jahres zu erbringenden Leistungen haben mir seit bestimmt über dreißig Jahren meine Geburtstage vermiest. Weil ich nie all das geschafft hatte, was ich mir vorgenommen hatte. Oder, wenn ich doch ein Vorhaben gemeistert hatte, sah es im wahren Leben nicht annähernd so glitzernd und glamourös aus, wie eigentlich gedacht. Mein Lied ist das ewige Klagelied der Perfektionistinnen und Selbstverbesserinnen. Ich könnte versuchen, mir für das kommende Jahr überhaupt nichts mehr vorzunehmen...aber ich weiß schon jetzt genau - auch daran werde ich wieder scheitern. 

Die Antworten vom letzten Jahr findet die, die es interessiert, hier. Die aus den Jahren davor, gibt es hier.


1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 6 bis 7. 

2. Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen. 

3. Haare länger oder kürzer? Gleich. Und noch immer auf dem Weg zurück zu Mausbraun. Das dauert vielleicht...

4. Mehr Geld oder weniger? Etwa gleich. Nicht genug, das steht fest.

5. Mehr Blogleserinnen, oder weniger? Mehr. Insbesondere dank zweier Auftritte im TV und einer Buchrezension.

6. Was war das beste Buch, das du 2017 gelesen hast? Ich glaube, ich habe gar kein gutes Buch mehr ganz gelesen. Ich hatte einfach keine Muße. Ich habe allerdings zumindest ein paar Werke über das Ausmisten und Aufräumen angelesen.

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nichts.

8. Mehr bewegt oder weniger? Sehr viel mehr gelaufen. Gereist, besichtigt und mit dem neuen Hund spaziert.

9. Die teuerste Anschaffung: Ein Weihnachtsgeschenk. Aber ich kann natürlich jetzt nicht verraten, was oder für wen es ist.

10. Das Beste, was du 2017 gegessen hast: Bratkartoffeln.

11. Das schönste Geschenk: Im letzten Jahr habe ich geantwortet: "Vielleicht kommt es ja noch." In diesem Jahr habe ich schon so viele bekommen, dass ich mich gar nicht entscheiden könnte. Ja ich weiß - verliebte Menschen sind einfach unerträglich...es lässt sich aber offenbar gar nicht verhindern - es passiert einfach. Wie Zombifizierung.

12. Lieblingslied 2017?: I hate my life von Trisha Paytas. (Vorsicht - Satire!)

13. Die meiste Zeit wo verbracht? Im Auto. Aber in diesem Jahr, um was von der Welt zu sehen, bzw. etwas davon zu besuchen.

14. Die größte Enttäuschung: Dass die dritte Staffel von Stranger Things erst Ende 2018 kommen soll. 

15. Die beste Investition: Mein Adventskranz. 




16. Die wichtigste Erkenntnis: Manchmal hat man eben doch Glück.

17. Was machst du zu Weihnachten? Noch immer gibt es Kartoffelsalat und Michel in der Suppenschüssel. Aber in diesem Jahr mit Katze und Mann mit Hund. Man sagt ja immer, Weihnachtsfeste und Urlaube sind Bewährungsproben für Beziehungen. Den Urlaub haben wir geschafft.

18. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Wie auch 2016: Mehr Geld. Weniger Kram. Mehr Klarsicht. Und die eiserne Härte einer Margaret Thatcher in eigener Sache. Ach, und Gesundheit. Ich bin jetzt schließlich langsam in dem Alter, und mein Nacken bringt mich seit Monaten echt um.

19. Was ist dein wichtigstes Ziel für 2017: Vloggen.

20. Und was jetzt? Jetzt breche ich schon mal gleich den Vorsatz, mir nichts mir vorzunehmen. Natürlich habe ich vor, das Blog aufzumöbeln und wieder regelmäßig Posts zu veröffentlichen. Vor Weihnachten wird das hier allerdings der letzte sein. Danke, dass ihr mir 2017 weiterhin hier am Strand Gesellschaft geleistet habt und feiert bitte alle ein 


HAPPY EVERYTHING 

mit schönen, friedlichen Tagen. 



NH

PS: Für die Weihnachtskarten möchte ich natürlich KEIN Porto von euch haben - wo kämen wir denn da hin?! Sie werden übrigens Mitte der Woche verschickt, wenn alles planmäßig läuft.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Zurück in die Zukunft 2

Extreme kitsching...


Alles wie zuvor...ich konnte mir nicht helfen und habe auch seit ich im letzten Jahr meinen Vorrat an Weihnachtskarten endgültig auflösen und abschicken wollte weiter aufgestockt. Konfrontiert mit hyperkitschigen, weihnachtlichen Kinderbuchillustration auf Hallmark-Karten im Zehnerpack werde ich trotz bester Vorsätze und klarer Einsicht immer wieder zur willenlosen Einkäuferin. Oh, all die getriggerten Kindheitserinnerungen und -wünsche! Und erst recht die Geschichten, die hinter den Toren und Türen zu wohnen scheinen...auch heute noch.

Weihnachtsschneckenpost 2017


Wie dem auch sei...ich habe nun beschlossen, es geht in die zweite Runde.Insbesondere nachdem ich heute mit einer Freundin beim Adventskaffee ausgiebig darüber geklagt habe, dass bestimmte Traditionen, die für die gedankliche Verbundenheit mit anderen Menschen stehen, immer mehr Disziplinlosigkeit, Egozentrik und zeitlicher Überfrachtung zum Opfer fallen. Ja, ich bin spätestens in diesem Jahr so alt, dass ich die gute alte Zeit beweine, und dass mit aller gebotenen Übertreibung und der angemessenen Dramatik.

Was mich zur Weihnachtskartenmission dieses Jahres bringt. Natürlich bin ich wieder mal ein wenig spät dran, aber bis eben wusste ich halt selbst nicht wirklich, dass es eine geben würde. Wer von euch gern eine Weihnachtskarte per Schneckenpost von mir bekommen will, kann mir bis zum 10. Dezember 2017 (einschließlich) seine Adresse schicken, und zwar an office(at)nicola-hinz.com oder über das Kontaktformular oben rechts. Ich verspreche wieder hoch und heilig, dass ihr nichts weiter als eine Weihnachtskarte aus meinem Bestand von mir erhaltet und keine Werbung für Kochtöpfe, Zimmerbrunnen oder Zahnzusatzversicherungen. In diesem Sinne - habt eine schöne erste Adventswoche.

NH

Samstag, 7. Oktober 2017

Zwischenmeldung: Ich glaube, ich war im Fernsehen



Und zwar am letzten Mittwoch. Als Teil des RTL-Formats "Die 25" mit Sonja Zietlow lief dort ein kurzes Segment über mich und meine Lieblingsthemen: Fettakzeptanz und Swimming-Pools.

Gesehen habe ich es noch nicht. 

Obwohl mir der Redakteur es natürlich versprochen hatte, hat mich dann selbstverständlich doch keiner vorgewarnt, wann der Sendetermin sein würde. Ich habe nur an der plötzlichen Flut der Nachrichten von Zuschauerinnen und der in die Höhe schnellenden Klickzahlen im Blog gemerkt, dass etwas passiert sein musste. Einer der benutzen Suchbegriffe war doch tatsächlich "Nicola Hinz nackt".

Das obskure Thema der Sendung, "Die 25 unvorstellbarsten Situationen, in denen man nie landen möchte", war mir nur als Arbeitstitel angekündigt worden - und ist dann offenbar doch nicht mehr verändert worden. Es hatte bei mir und ebenso bei allen, mit denen ich im Vorfeld darüber gesprochen habe, für hohe Augenbrauen und gekräuselte Stirnen gesorgt. Dicksein als "unvorstellbare Situation, in der man nie landen will"? Echt jetzt?

Aber ich habe mir gesagt, die Chance, Fettakzeptanz im Fernsehen (und zu guter Sendezeit) mal wieder etwas Raum zu verschaffen, ist wichtiger, als ein bescheuerter Titel. Es wird schon gut gehen. Es wird schon nicht zu platt werden...Hoffen wir das Beste...

Danke für all das positive Feedback! 

Wenn ich den fast ausschließlich positiven Rückmeldungen glauben darf, die ich hinterher persönlich erhalten habe ( und warum auch nicht? : )), dann ist in der Tat auch alles gut gegangen. Ich werde mich morgen, am 8.10. zwischen 13:30 und 15:30 Uhr selbst davon überzeugen können - da wird die verpasste Sendung bei RTL wiederholt. 

NACHTRAG 8.10.2017: 

Doch, ich fand den Beitrag wirklich anständig - buchstäblich. Besser, freundlicher und aussagekräftiger als gedacht/gehofft. Ist alles gut gegangen, und das freut mich sehr. Vielen Dank für eure Nachrichten und Willkommen an all die neuen LeserInnen und Follower. : )


NIH
NH